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  • Diego Robert

Über Eulenfedern zur Kinesiologie

Ich studierte das „Wirtschaftsingenieurwesen“ und befand mich im vielversprechenden Praktikum als Teil von einem aufstrebenden Startup. Eine Karriere im Finanzbereich war immer schon ein grosser Wunsch den ich lange hegte. Am Ziel meiner Träume angekommen merkte ich jedoch, dass ich nicht glücklich war. Ich fühlte mich am Abend nervös. Morgens kam ich fast nicht aus dem Bett. Etwas musste sich ändern. Damals war ich dreissig Jahre alt... Meiner Meinung nach zu alt, um nochmals die berufliche Richtung zu wechseln. Ich brauchte Hilfe.


Begonnen habe ich damit, jemanden zu suchen, der mir helfen könnte. Eine gute Freundin empfahl mir einen sogenannten „Life - coach“ in Portugal. Dort praktiziert eine gewisse Dame ihre eigene Therapieform, in welche auch schamanische Einflüsse miteingebracht werden. Ich hatte in meinem Leben schon Psychologen besucht. Geholfen haben mir diese jedoch selten etwas. Meist war es dann so, dass eine Stunde lang „Reden“ druchaus befreiend war... nur brachte es mich nicht weiter. Schamanische Arbeit also? In Portugal? Und das Ganze war teuer. Aufgrund meiner immer extremer werdenden Erschöpfungssymptome entschied ich mich schlussendlich, es zu wagen. Ich meldete mich an, buchte den nächsten Flug von Zürich nach Lissabon und los ging die Reise!


An einem Mittwochabend kam ich in Lissabon an. Danach musste ich den Bus nehmen. Ich fuhr drei Stunden lang und schien immer tiefer und tiefer ins Nirgendwo zu reisen. Am Busbahnhof wartete ein freundlicher älterer Herr auf mich. „Sie kommen zu Frau Lisa?“, fragte er. Ich nickte nur. Es war bereits dunkel, als wir eine halbe Stunde später auf einem Landsitz ankamen. Die Tore öffneten sich automatisch. Dahinter waren Palmen und viel Land zu sehen. Wir traten vor ein grosses Haus. Am Eingang wartete eine kleine ältere Dame. Sie trug ein Kopftuch. „Willkommen“, sagte sie mit ruhiger Stimme, „Ich bin Lisa. Kommt doch rein“. Sie zeigte mir mein Zimmer und nachdem ich meine Koffer abgelegt hatte, führte sie mich ins Esszimmer. Dort warteten weitere Leute auf uns. Zwei Männer und eine Frau, die das Essen servierte. Vorgestellt wurde sie mir als „Rosa, die Frau für den Haushalt“. Die anderen Männer waren - so wie ich auch - hier für eine Woche. Lisa verabschiedete sich und meinte, sie würde mich morgen früh um zehn Uhr auf meinem Zimmer abholen kommen. Wir assen ausgiebig und ich begab mich nach einem langen Tag auf mein Zimmer. Ich fühlte mich etwas einsam, war jedoch so müde, dass ich bald einschlief.


Am nächsten Morgen wachte ich auf und wie versprochen stand Lisa schon bereit. Da fragte ich mich zum ersten Mal, wo sich im Haus wohl ihr Zimmer befand... Sie meinte, sie schlafe in einem Caravan, weiter oben in den Bergen. Das Haus sei nur für die Klienten gedacht. Ich war etwas verwundert. Wir liefen durch den Park, auf eine alte Mühle zu. Beim Betreten des Gebäudes fielen mir Eulenfedern an den Wänden auf. Wir setzen uns hin und sie begann.

Normalerweise kennt man so etwas aus Therapien: Der Klient erzählt und der Therapeut stellt weitere Fragen... Bei Lisa war es jedoch anders. Sie beschrieb mir alles, was sie wahrnahm und ich durfte es dann annehmen, oder einfach an mir vorbeiziehen lassen. Sie begann langsam zu sprechen und berührte mich dabei auf eine Weise, wie ich sie zuvor noch nie erlebt hatte. Gedanken, die ich nie ausformulieren konnte, wurden von ihr in dem Moment endlich in Worte gefasst. Es ist schwierig, das Ganze an einem konkreten Beispiel zu beschreiben. Es war überwältigend. Und so ist es verständlich, weshalb mein erster Gedanke war, dass ich das auch können wollte!


Eine Woche lang verbrachten wir jeden Tag eine Stunde mit Gesprächstherapie, Massagen, und Trommelritualen. Nach jeder Sitzung war ich völlig benebelt und todmüde. Ich spazierte viel, verarbeitete und schlief, bis ich nicht mehr konnte. Bereits nach drei Tagen kam es mir vor, als sei ich schon Wochen lang hier gewesen. Meine Sicht auf meinen Job veränderte sich langsam. Ich wollte etwas Neues anfangen... eben genau das erlernen, was ich hier erleben durfte. Wenn es doch möglich ist, einem Menschen ein solch schönes Gefühl zu geben, dann ist es das, mit was ich meinen Lebensunterhalt verdienen möchte.


Nach dieser Woche ging ich voller Euphorie nach Hause und kündigte sofort mein Praktikum. Ich suchte nach einer neuen Ausbildung. Aber wie sollte ich mich in diesem Wirrwarr aus Massagen, Heilpraktikern und Psychotherapeuten schlau werden? Welche Ausbildung würde mir wohl am meisten entsprechen? Die Fortsetzung folgt im kommenden Blogpost.

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Diego Robert Kinesiologie
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